Hospizbegleiter*innen beenden ihren Grundkurs

4. August 2026

„Warum muss ausgerechnet ich schon so früh sterben?“ Sie schaut mir direkt in die Augen. „Warum ich?“, fragt sie weiter. Es ist ein Rollenspiel: Ich übernehme die Rolle des Hospizbegleiters, meine Kurskollegin spielt eine Frau, die weiß, dass sie bald sterben wird. Ihre Fragen liest sie von einem schmalen Zettel ab. Ich schweige, denn meine Antwort steht nirgends. Und ich selbst weiß keine.


Dieses Rollenspiel fand in der ersten Sitzung unserer Ausbildung zur Hospizbegleitung beim Hospizverein Würzburg statt. In unserer Gruppe saßen junge Erwachsene mit 18 Jahren bis Rentnerinnen und Rentner. Spätestens nach dem Rollenspiel einte uns ein Gefühl: großer Respekt vor dieser Aufgabe.


Was in den Kurseinheiten folgte, war Ermutigung. Mut, dass wir alle unsere persönlichen Stärken einbringen und in dieser Ausbildung weiterentwickeln können. Die Koordinatorinnen und die aktiven Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter machten uns nicht nur die Schwere, sondern auch die Bedeutung dieser Tätigkeit bewusst. Sie erzählten, wie erfüllend die Begleitungen sein konnten – und wie viel man dabei über sich selbst lernte.


Darum ging es auch im ersten Teil der Ausbildung. Allein und in der Gruppe beschäftigten wir uns mit unseren eigenen Erfahrungen mit Tod, Krankheit und Verlust. Neben der Erinnerung an schmerzhafte Erlebnisse lag der Fokus darauf, nach stärkenden und Halt gebenden Erfahrungen zu suchen. Durch diese Stunden lernten wir nicht nur uns selbst, sondern auch die anderen besser kennen. Schritt für Schritt wuchsen wir als Gruppe zusammen.


Im zweiten Teil standen die Inhalte im Mittelpunkt, die wir für eine Begleitung brauchten: rechtliche, ethische und organisatorische Grundlagen. Wir sprachen darüber, welche Aufgaben ein Hospizbegleiter konkret übernimmt, wie wir auf uns selbst achten können, wo wir Hilfe bekommen und wie wir unsere Besuche dokumentieren. Dazu kamen externe Gäste in den Kurs, unter anderem eine Supervisorin und Trauerbegleiterinnen und -begleiter.
Aus dem Kursraum ging es dann in die möglichen Einsatzbereiche: Wir besuchten ein Hospiz und eine Palliativstation. Anschließend absolvierte jede und jeder von uns ein Praktikum in verschiedenen Pflegeeinrichtungen.


In den 15 Einheiten von April bis Juli profitierten wir von der geballten, jahrzehntelangen Erfahrung aller Lehrenden und Mitarbeitenden des Hospizvereins. Sie gaben ihr Wissen weiter und teilten auch ihre Zweifel, ihre Grenzen und ihre persönlichen Geschichten. Während der gesamten Ausbildung versuchten sie, uns umfassend auf unsere kommenden Aufgaben vorzubereiten.


Dabei habe ich gelernt, dass ich auf die schwierigen Frage von dem Zetteln aus dem Rollenspiel keine Antwort haben kann. Was ich aber gelernt habe: Wie einen Menschen am Lebensende mit diesen Fragen nicht alleine lasse, sondern ihn begleiten.

Text: Alexander Hummel, Jona Gebhard, Bild: Christian Kirchhoff